Die Gründung eines Fairfashion Labels – Teil 2

In dem „Teil 1 – Die Gründung eines eigenen Modelabels“ habe ich euch von meinem Entschluss erzählt, ein eigenes nachhaltiges Modelabel zu gründen. Ich habe erzählt, wie es dazu kam und welche Schritte ich durchlaufen bin, um euch nun auf der offiziellen Seite von Marenika begrüßen zu dürfen. Wir sind zusammen durch den Findungsprozess gegangen, haben die Produktentwicklung durchgemacht, die Aufgaben einer Unternehmerin grob angerissen und ich habe ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert, was mich im Privaten beschäftigt hat. Soweit so gut. Und wie ging es dann weiter?

Cuánto cuesta?

März 2020. Was für Kosten kamen also auf mich als frischgebackene Unternehmensgründerin zu? Da ist zu aller erst die Gewerbeanmeldung. Die ist schnell gemacht und kostet um die 30€. Danach kommen ca. 1000€ für die Markenanmeldung beim Deutschen Marken- und Patentamt (kurz DPMA) hinzu. Falls die Recherchen, wie in meinem Fall, Übereinstimmungen in den Nizza-Klassen ergeben (mehr dazu im 1. Teil des Blogposts), kannst du die Recherche jedes Mal erneut mit ca. 300€ anrechnen, bis es keine Überschneidungen mehr gibt. Ein kleiner Tipp, wenn du ein Unternehmen gründen möchtest: Plane IMMER (!) einen finanziellen Puffer ein. Denn es kommt immer etwas dazwischen, was nicht eingeplant war. Bei mir war es z.B. die Überlegung einen passenderen Domain für Marenika zu kaufen. Das hätte mich allerdings weitere 800€ gekostet. Deshalb habe ich keinen .de Domain sondern eine .shop Adresse. Obwohl ich viel lieber eine .de Adresse gehabt hätte. Tief durchatmen, kurz ärgern, weiter machen!
Manchmal müssen Abstriche gemacht werden, welche aber im Endeffekt gar nicht schlimm sind. Wenn sich ein Problem herauskristallisiert, atme tief durch, suche ruhig nach einer Lösung und es wird sich immer eine finden. Manchmal sind die Lösungen sogar besser als die Anfänglichen Wünsche. Zum Beispiel finde ich den Namen Marenika viel schöner, als meine zuvor ausgedachten und durch das DPMA abgelehnten Namen.
Vorausgesetzt wir haben nun den Markennamen offiziell angemeldet. Wie geht es nun weiter? Welche Kosten kommen noch? Natürlich die Kosten des Wareneinkaufes – dem eigentlichen Produkt, um das es geht. Das sind bei mir die T-Shirt Rohlinge, Textillabel, Nähgarn und Versandmaterialien, wie Versandkartons und Postkarten. Wenn dann in jedem Punkt versucht wird so nachhaltig, ressourcenschonend und regional wie möglich zu arbeiten, kommen erheblich mehr Kosten auf einen zu. Die Kartons sind z.B. aus regionalem Graspapier und das Garn aus 100% GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle aus einem kleinen Familienbetrieb aus Deutschland. Das sind alles Kosten, die von vornherein eingeplant werden müssen. Das Webseitenhosting findet bei mir zum Beispiel über Biohost, einem ökologischen Hostinganbieter in Norddeutschland statt und kostet dementsprechend etwas mehr. Deshalb besteht der Verkaufspreis eines T-Shirts auch nie aus dem reinen Produktionsreis, sondern setzt sich aus vielen verschiedenen Positionen zusammen. Zu Anfangs waren das natürlich recht viele Positionen bei mir, die zu begleichen waren. Aber wenn der Busninessplan ordentlich und gewissenhaft erarbeitet und kalkuliert wurde, kommen währenddessen wenige oder gar keine bösen Überraschungen. Trotzdem musste ich nach den ganzen Zahlungen an meine Lieferanten und Dienstleister erstmal tief durchatmen und eine Flasche Wein öffnen. Denn ab jetzt führte kein Weg mehr dran vorbei. Ich war jetzt Unternehmerin, mit allem was dazu gehört – Prost!

Ein Anruf später

Das Telefon klingelte und Sofie von der Textilfirma aus Kiel war dran. „Hey Sofie“. „Hey Franzi, deine Shirts sind jetzt bestellt. Die Labels bringen wir dann auch für dich an. Ich muss dich aber noch was fragen. Sollen wir das GOTS-Siegel anbringen? Denn wenn du du sie noch in der Behindertenwerkstatt umnähen lässt, sind wir ja nicht mehr der letzte Betrieb in der Lieferkette und können es dir somit nicht mehr ausstellen. Nicht, dass wir uns da missverstehen. Die Lieferkette darf nicht unterbrochen werden..“.
Wir telefonierten ein paar Minuten und ich begriff, dass ich nun nicht mehr mit dem Siegel werben konnte, das mir von Anfang an so wichtig gewesen war. Neben den ganzen Arbeiten hatte ich diesen Punkt einfach außer Acht gelassen. Ausgerechnet ich! Ich kenne jedes nachhaltige Siegel auswendig und informiere auf meinen Kanälen über die Nachhaltigkeitskriterien und dann habe ausgerechnet ich diesen Punkt einfach zwischen der ganzen Organisation nicht bedacht. Aber natürlich muss die Lieferkette von vorne bis hinten vom Global Organic Textile Standart (kurz GOTS) zertifiziert sein. Und die Behindertenwerkstatt hat leider (noch) nicht dieses Siegel. Somit durfte ich mit den GOTS-Zertifizierten T-Shirt Rohlingen nicht mehr mit dem GOTS-Siegel werben, da ich den letzten Schritt in der Behindertenwerkstatt nicht GOTS zertifizieren lassen konnte. Auch, wenn es unter fairen Bedingungen zu geht und eine regionale Produktion ermöglicht. Da ich mittlerweile schon so weit mit der lieben Urte von der Werkstatt geplant hatte und mich sehr wohl mit der Kooperation fühlte, willigte ich ein und durfte nicht mit dem Siegel werben. Ein kleiner Rückschritt, den ich letzten Endes aber gerne in Kauf nahm. Ich sagte mir, dass ich erst am Anfang stehe und mir das Siegel später holen würde. Also ging es weiter und ich setzte mich wieder an die Programmierung der Webseite.

Die letzten Vorbereitungen kosten die meiste Zeit

April 2021. Die T-Shirts waren mittlerweile endlich in der Werkstatt und wurden umgenäht. Endlich ein paar Tage wo ich kurz durchatmen konnte. Und dann gingen die letzten Arbeiten los, die wie ich dachte, ganz entspannt machen könnte. Hatte ich schon erzählt, dass ich mir zu Anfangs grob einen Monat für die Programmierung der Webseite eingeplant hatte? Ach.. wie man sich verschätzen kann. Es wurden dann vier Monate! Ein Shopsystem integrieren, Versandoptionen bestimmen, AGB und Datenschutzerklärung verfassen, gehören zwar nicht zu den anstrengendsten Aufgaben, aber auch wirklich nicht zu den spannendsten. Und so zogen sich die letzten Aufgaben über Monate hinweg.
Ein Tag auf den ich mich aber ganz besonders freute, war das Shooting. Ich hatte in meiner Zeit in Hamburg Carina von Fotostudio Augenblicke kennen gelernt (Hallo Carina :)) und mich in ihre Arbeiten verliebt. Für mich war daher schon von vornherein klar, wer meine Kollektion in Szene setzen soll. Wir planten das Shooting seit Beginn des Jahres und ich nervte Carina um jede Tages- und Nachtzeit (Sie verdient einen Orden). Ich sendete ihr unzählige Fotos, Ideen, Skizzen und sie sendete mir ihre Ideen dazu zurück. So entwickelten wir Beide zusammen über Monate hinweg ein Shooting, worauf wir beide uns riesig freuten. Am 17.04.2021 war es dann endlich soweit und es ging los. Carina setzte meiner Freundinnen gekonnt und einfühlsam in Szene und sorgte dafür, dass alle großartig aussahen. Ohne Carina wäre dieses Label daher nicht wie es nun ist. Die Webseite würde anders aussehen, die Postkarten, der Instagram-Auftritt. Das alles habe ich einer Fotografin zu verdanken, die ihr Handwerk versteht – Danke Danke Danke Carina!

Der Sprint auf den letzten Metern

Das Shooting war geschafft und Carina saß nun von Morgens bis Abends an der Bildbearbeitung und der Sortierung von Bildern im vierstelligen Bereich. In der Zwischenzeit standen bei mir letzte Arbeiten an. Zum Beispiel das Design der Postkarten, die ich in den Versandkartons dazu legen wollte. Auf die Rückseite sollten alle wichtigen Infos zur Rückgabe sowie eine persönliche Nachricht unterbracht werden. Damit die Postkarte nicht zum Wegwerf-Produkt verkommen sollte, wurde ein schlichtes, minimalistisches Design gewählt, was sich auch gut an der Wand machen konnte. Anschließend arbeitete ich die fertig bearbeiteten Bilder vom Fotoshooting in die Webseite ein und programmierte mit einem guten Freund (Hallo Thorben 🙂 ) zusammen in der letzen Phase von morgens bis Abends fleißig nebeneinander die letzten Schwierigkeiten des Shops um. Wenn eine Aufgabe gelöst war, ging es direkt mit einer Anderen weiter. Und so ging es Tag ein Tag aus, bis der 01.05.2021 näher rückte..

Ein Unternehmen zu gründen ist wie eine Geburt. Du läufst Monate schwanger mit einer Idee im Bauch herum und es wächst und wächst und wächst. Nachdem du es Monatelang gehegt und gepflegt hast und es endlich aus dir draußen ist und das Licht der Welt erblickt hat, musst du es füttern, behutsam pflegen und ihm laufen beibringen. Und der Geburtstermin von Marenika sollte der 01.Mai 2021 werden.

Der große Tag

Am 01.Mai war es dann soweit und es war alles soweit fertig, dass es das Licht der Welt erblicken konnte. Ich war furchtbar aufgeregt. Einen Tag zuvor hatte ich auf Instagram einen Countdown eingestellt, der am 01.05.2021 um 13:00 Uhr ablaufen sollte und damit den Launch dieser Webseite und den offiziellen Start symbolisierte. Die Nacht war ich total unruhig und konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Auch am nächsten Morgen war ich den ganzen Tag total hibbelig und bekam später Unterstützung von einer Freundin. Um 12:50 Uhr war die Aufregung dann auf dem Höhepunkt und ich hoffte nur noch, dass alles glatt gehen würde. Die Zeit verging und dann zählte der Countdown langsam runter, bis er um 13:00 Uhr stoppte. Ich entfernte einen gesetzten Haken im Webseiten-Backend und die Webseite ging online! Und damit war Marenika offiziell geboren und ich war die Gründerin (die danach ein paar Weinchen getrunken hat, um sich zu beruhigen..).
Und den Rest kennt ihr ja, wenn ihr dem Account marenika.shop auf Instagram folgt.

Schlussgedanken

Wie ihr seht, gründet man ein Label nie alleine. Dazu gehören wichtige Kontakte, die einem den Rücken stärken, Kontakte, die dich voranbringen und Kontakte, die viele Arbeiten um ein Label herum erledigen. Bei mir zählten zur Unternehmensgründung folgenden Menschen zur Gründung dazu: Meine Schwester Lisa, meine Mama, meine Fotografin Carina, mein Anwalt Dirk, Sofie von der Textilfirma, die liebe Urte von der Behindertenwerkstatt und meine Freunde Johann, Thorben, Jana und Alex, die mir in dieser Zeit sehr viel zur Seite standen.
Last but not least haben mich zu der Zeit viele nachhaltige, frauengeführten Fairfashion Labels inspiriert, wie Sina von Mamoana, Cosima von COS Ordinary Sucks, Daria von Dariadéh die mich zu dem Schritt inspirierten und mir mit ihren ehrlichen Einblicken die Gründungszeit überstehen ließen. Auch, wenn ich gerade am Beginn von Marenika stehe und noch nicht weiß wo die Reise hingeht, so hat es sich für mich schon gelohnt. Ich bin aufgegangen in dem was ich tat und konnte mich vollkommen austoben in meinem Bereich. Die Corona-Pandemie hatte zwar einige Wege versperrt, aber während der Reise auch immer wieder neue geöffnet. Daher kann ich nur jedem Menschen dazu raten, zu machen wovon du träumst und den Weg zu gehen! Träume wollen ge- und erlebt werden. Und stell dir vor, in ein paar Jahren gibt es jemanden, der genau deine Idee umsetzt und sie wird zum Erfolg. Wie ärgerlich wäre das? Also: Leg Los! Es wird sich lohnen! Und wenn du schon mit dem Gedanken spielst, ein Modelabel zu gründen, kannst du mich gerne anschreiben. Ich habe den Anfang ganz alleine beschritten und viele Fehler gemacht, die ich im Nachhinein zum Glück schnell umändern konnte. Aber der Weg ist das Ziel und ein Unternehmen wächst langsam mit der Zeit. Gib dir also die Zeit und genieß den aufregenden und spanenden Weg der vor dir liegt 🙂
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